Wie geplant traf sich gestern meine Spielgruppe, um Mystic Path zu spielen. Wir machten es uns gemütlich, betrachteten eingehend die zur Auswahl stehenden Charaktere und entschieden uns für den Zwerg, die Assassine, die Waldelfe und die Pionierin. Unsere Spielleiterin hatte die Charakterbögen schon vorbereitet, so dass wir fast sofort loslegen konnten. Doch zuerst legten wir uns schnell unsere Markertabellen zurecht, auf denen jeder Charakter seine Lebenspunkte sowie sonstigen Punkte wie z.B. Zauberpunkte, Pfeile oder Bolzen, Rauschpunkte (vom Alkohol) etc. markieren kann.
Dann ging es auch schon los. Der erst Track der mp3-CD wurde vorgespielt und die Geschichte kam ins Rollen. Die schöne und atmosphärische Einleitung, vorgetragen von einer Erzählerin, zog uns in die Welt von Mystic Path. Wir erfuhren von den mysteriösen Ereignissen in Valbrunn und entschieden uns natürlich dorthin zu reisen, um für Ordnung zu sorgen. Bis zu unserer ersten (und unfreundlichen) Begegnung in Valbrunn war der Rollenspielanteil noch recht hoch, ab dann überwog der Brettspielanteil, was aber keineswegs als Kritikpunkt zu betrachten ist. Um nicht zu spoilern werde ich jetzt auf einige Elemente des Spiels eingehen und wie sie in unserer Gruppe funktionierten:
Abenteuer
Unter Abenteuer werden in Mystic Path die einzelnen Orte verstanden, die man aufsuchen kann. Es gibt eine schöne Karte von Valbrunn, auf der Punkte mit Ziffern hervorgehoben sind, die man bereisen kann. Das Aufsuchen dieser Orte geschah nicht willkürlich: Wir fingen auf dem Weg zum Dorf an und von jedem Punkt aus bestand die Möglichkeit, benachbarte Orte aufzusuchen. Sobald sich die Gruppe für den (nächsten) Punkt entschieden hatte und dieser noch nicht besucht worden war, spielte die Spielleiterin einen Track von der mitgelieferten mp3-CD vor, der den Ort beschrieb. Die Texte liegen auch gedruckt vor und können daher auch selbstverständlich vorgelesen werden. Ich würde aber zum Abspielen der Tracks raten, da sie die Atmosphäre gut einfangen und uns Spieler auf das folgende Geschehen wie ein kleines Ritual “eingestimmt” haben und zur Ordnung riefen, wenn wir uns gerade nach bestandenen Abenteuern verquatschten. Meistens durften wir nach dem Track entscheiden, ob wir diesen Ort untersuchen wollen, aber ein paar mal wurden wir gezwungen an Ort und Stelle zu verbleiben und uns zu verteidigen. Die Spielleiterin baute dann den Ort mit Hilfe der mitgelieferten Bodenpläne und Einrichtungsgegenstände auf. An Orten bzw. Abenteuern hatten wir bisher verschiedene Wegabschnitte, Häuser und das Tor der Stadtmauer erreicht.
Nachdem das Abenteuer aufgebaut worden war stellten wir unsere Figuren in der Startzone auf. Bei Häusern waren es die Felder rund um die Eingangstüre, bei den Wegen wurde uns ein Aufstellungsbereich zugewiesen. Entsprechend der Bewegungspunkte der einzelnen Charaktere zogen wir so rundenweise durch die Räume, die Assassine immer recht flott, der Zwerg behäbig hinterher. In Räumen ohne Gegner hatten wir die Möglichkeit, Gegenstände wie Tische, Betten und Schränke zu durchsuchen oder sie zu verschieben. Letzteres war noch nicht nötig, aber laut Spielanleitung könnte es wohl mal sinnvoll werden, Schränke vor Türen und Fenster zu schieben…
Trafen wir in einem Raum oder an einem sonstigen Ort auf Gegner, kam es zum Kampf.
Kämpfe
Begegneten wir Gegnern wurde das Spielgeschehen streng in Runden und Phasen aufgeteilt, worauf ich an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte, da es sonst komplizierter klingt als es ist. Unsere erste Erfahrung war es, dass man sich wild auf die Gegner stürzen kann, wenn man denn unbedingt will, es aber viel effektiver ist, wenn man taktisch vorgeht und die speziellen Fähigkeiten der einzelnen Charaktere geschickt einsetzt. In unserer Gruppe pendelte es sich so ein, dass sich die Pionierin bevorzugt zuerst mit ihrem Klingentanz den Gegnern entgegen warf, um ihnen die Aktionspunkte zu stehen. Diese, nun wehrlos, wurden dann von der Assassine mit Angriffen auf die Schwachstellen zurecht gestutzt. Der Zwerg stürzte sich todesmutig allem was kam in den Weg (insbesondere den Gegnern, die sich noch wehren konnten) und die Waldelfe beharkte die Gegner aus der Ferne mit ihren Pfeilen.
Nach dem Kampfe…
… war es Zeit, sich die Wunden zu lecken und die Orte zu durchsuchen, die gerade eben noch Schauplatz einer Auseinandersetzung gewesen waren. Die Suche findet dabei in Reihenfolge des Habgier-Wertes der Charaktere statt, so dass immer der Zwerg zuerst vorpreschte, dicht gefolgt von der Pionierin. Doch auch die Assassine und die Waldelfe blieben nicht tatenlos und suchten nach “Schätzen”. Während wir anfangs noch über gefundene Bohnensuppe und Salbeiplätzchen lachten wurden Nahrungsmittel und Getränke später gern gesehene Funde (und Lebenspunkte-Spender), denn unsere Gegner erwiesen sich als recht stark. Leider fanden wir bisher noch keine großen Schätze. Immerhin, wir konnten auch die Waldelfe mit einer Nahkampfwaffe ausstatten (einem gefundenen Dolch) und fanden einige Briefe, von denen einer scheinbar ein Losungswort beinhaltet. Ob das tatsächlich so ist werden wir wohl bei unserem nächsten Spieltermin feststellen.
Vorläufiger Stand der Dinge
Unsere Heldentruppe hat am Ende des ersten Spielabends eine Begegnung am Ort (bzw. Abenteuer) Nr. 9 hinter sich gebracht. Das bedeutet, dass wir noch vor den Toren von Valbrunn stehen und noch 57 weitere Abenteuer bzw. Orte auf uns warten, denn die Karte zeigt 66 verschiedene Punkte. Aktuell ist die Motivation sehr groß, das Geheimnis um Burg Tiefenkaastel zu lösen, denn bisher hatten wir viel Spaß. Nach unserer letzten Begegnung macht sich aber auch langsam ein wenig Beklommenheit breit: Ein jeder in der Gruppe ist teils stark verwundet und allein die Götter (und die Spielleiterin) wissen, welche Gefahren uns noch bevor stehen. Unser Ziel hat sich daher gewandelt. Ab jetzt lautet es in erster Linie “Überleben um jeden Preis!” Wenn wir nächste Woche unseren zweiten Spieltermin wahrnehmen werden wir uns bemühen, noch taktischer vorzugehen und hoffen, dass wir die Möglichkeit bekommen werden, uns von unseren Wunden zu erholen und eventuell etwas bessere Ausrüstung zu finden…
Fazit des 1. Spielabends mit Mytic Path
Mystic Path ist ein sehr schönes Brettspiel mit Rollenspielelementen. Es ist irgendwie genau das, was ich mir zu Hero Quest Zeiten gewünscht hatte und jeder in der Spielgruppe freut sich auf den nächsten Spieltermin!
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